Bei strömendem Regen treffen sich die Unerschütterlichen um 15 Uhr auf dem P&R-Parkplatz in Raubling zum Start ins Skitourenwochenende – die Wettervorhersage: eher mittelprächtig, die Schneelage: eher nicht sehr üppig. Egal, wir werden auf jeden Fall ein schönes Wochenende daraus machen.
Die Fahrt ist schon mal sehr entspannt, ohne Stau rollen wir über die Grenze und durchs Inntal bis zum frisch sanierten DAV-Jugend- und Seminarhaus in Obernberg. Martina ist für das Organisatorische zuständig und die Zimmeraufteilung passt perfekt.
Nach dem Abendessen setzen sich die Gruppen zusammen, um die Planung für den nächsten Tag vorzubereiten. Andi, Manuela, Julia, Sabine, Julian, Michi und Brigitte sind in Andis Gruppe und entscheiden sich für die Tour Richtung Grubenkopf.
Um 9 Uhr treffen wir uns zum großen und kleinen Check der Suchgeräte – alles funktioniert, dann kann’s losgehen. Kein Wölkchen ist am strahlend blauen Himmel und die Sonne hat sich schon auf die Gipfel gelegt. In der Nacht hat es wohl doch noch ein bisschen geschneit, so dass wir eine herrliche Winterlandschaft vorfinden. Wir kommen am Obernberger See vorbei und gehen weiter ins Tal hinein, der Sonne entgegen.
Bei der Kapelle am See gabelt sich der Weg. Das wird unser erster Checkpoint mit Kontrollblick auf die Karte. Der zweite Checkpoint ist am Beginn der Steilhänge; hier fällt die Entscheidung für den Weg in der Sonne in Richtung Hoher Lorenzen. Andi findet, dass sich sich Spitzkehren hier sehr gut üben lassen und über eine Rinne, die der Wind mit Schnee gefüllt hat, gehen wir einzeln, um kein Schneebrett auszulösen.
Der kalte Wind wird nun deutlich stärker und so sind wir uns ein Stück unterhalb vom Sandjöchl einig, dass wir den abgeblasenen Gipfel dem Wind überlassen und uns lieber der Abfahrt zuwenden – immerhin lockt nichts Geringeres als ein schöner frischer Apfelstrudel im Café Waldesruh.
Im ersten Hang läuft es noch nicht bei allen ganz rund. Der Wind hat auch hier schon gearbeitet und die oberste Schneeschicht festgepresst; darunter liegt herrlicher Schnee und wir genießen eine wunderbare Abfahrt, von der wir am Tag zuvor noch nicht einmal zu träumen gewagt hätten. Julia, Sabine und Andi wollen noch nicht aufhören und steigen nochmal ein Stück hinauf für den letzten schönen Hang, während sich alle anderen in der Waldesruh ausbreiten und bei Kaffee, Kuchen, Germknödel usw. dahinschmelzen.
Und was machen wir am Sonntag? Zwei Touren kommen in die enge Auswahl: direkt vom Haus weg ins Fradertal in Richtung Fradersteller oder nach ein paar Kilometern im Auto zum Sattelberg. Die Entscheidung soll erst am Sonntagmorgen fallen, wenn man die Fitness besser abschätzen kann.
Bei einem geselligen Hüttenabend mit Spielen, Ratschen und gemütlichem Beisammensein klingt der Tag allmählich aus.
Am Sonntagmorgen fällt die Entscheidung für den Sattelberg, denn das trauen sich alle zu.
Wir parken unterhalb der Autobahnbrücke und gehen entlang der „Piste“ aufwärts. Wie schon gestern ist auch hier ein LVS-Checkpoint installiert, der unsere Geräte beim Vorbeigehen automatisch auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Die dünne Schneedecke ist fast ein bisschen eisig, aber gut zu begehen.
Andi erklärt uns, wie man sich im Gelände orientiert und wie man die ideale Spur findet, die nur eine Steigung von 10 Grad haben sollte. Dazu geht jeder ein Stück mit geschlossenen Augen und kommt ganz automatisch auf diese Spur.
Um auch die Harscheisen einzusetzen, suchen wir uns weiter oben einen guten Standort und montieren sie. Mit Harscheisen soll man maximal die erste Steighilfe benutzen. Das Gelände wird steiler und es ist ganz angenehm, jetzt mit den Harscheisen über den vereisten Schnee zu gehen. Kurz vor dem Gipfel kommt noch ein Schneefeld, auf dem Andi uns demonstriert, wie man die Hangneigung mit der Skistock-Pendelmethode messen kann: eine Stocklänge in Schnee drücken, am oberen Ende den ersten Stock mit dem Griff ansetzen, dann den zweiten Stock an der Spitze von Stock eins mit der Schlaufe einhängen und nach unten hängen lassen. Endet Stock zwei über dem unteren Ende des Stockabdrucks, hat der Hang eine Neigung von 30 Grad. Trifft das Ende des zweiten Stocks unterhalb der Markierung auf den Hang, so ist der Hang steiler als 30°. Ungefähr gilt: 10 cm entsprechen 3 Grad Hangneigung.
Die letzten Meter zum Gipfelkreuz sind schnell geschafft und schon liegt eine lange Abfahrt vor uns, im oberen Teil noch ziemlich hart, aber dann schön griffig. Natürlich darf man hier die berühmte Sattelberg Alm nicht auslassen und so stärken wir uns alle noch mit würzigen Kasknödeln und anderen hausgemachten Schmankerln, lassen voller Zufriedenheit die beiden Tage noch einmal an uns vorüberziehen und machen uns dann auf die Heimfahrt.
Vielen Dank lieber Andi, dass Du uns wieder so gut, sicher und lehrreich unter Deine Fittiche genommen hast! Auch an Martina und Peter geht ein herzliches Dankeschön für die perfekte Organisation. Es war ein rundherum gelungenes Wochenende!
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